Interpol THIS MIRROR WEIGHS A TON Review: Vom Post-Punk-Keller in den Wintergarten
03. September 2026 · 3 Min Lesezeit
Erstellt von: L. Steiner
Die New Yorker Neo-Post-Punk-Ikone Interpol meldet sich mit ihrem achten Studioalbum THIS MIRROR WEIGHS A TON zurück. Vier Jahre nach The Other Side of Make-Believe wagt die Band um Paul Banks eine überraschende stilistische Häutung: Statt düsterer Kälte erwarten Hörer akustische Gitarren, sanfte Wellness-Vibes und mutige Experimente.
Wo bei Interpol früher beklemmende Keller-Atmosphäre und distanzierte Post-Punk-Gitarren dominierten, zieht auf der neuen Platte überraschende Wärme ein. Erstmals seit einem Jahrzehnt hat die Band wieder komplett in New York aufgenommen. Unter der Regie von Produzent Andrew Wyatt und verfeinert durch das Mixing von Dave Fridmann ist ihr wohl vielschichtigstes Werk entstanden.
Titeltrack als Überraschung: Meditation, Yoga und Akustikklänge
Schon der Opener und Titeltrack „This Mirror Weighs a Ton“ setzt ein deutliches Statement. Der Song wirkt wie eine Einladung in einen sonnigen Wintergarten – inklusive Anspielungen auf Meditation, Yoga und entspannte Nachmittage. Paul Banks legt seine brüchige Schärfe weitgehend ab und wird von der sanften Gaststimme von Juliet Seger-Banks unterstützt.
Fan-Service und musikalische Experimente
Trotz der neuen Transparenz im Sound vergessen Interpol ihre Wurzeln nicht:
„See Out Loud“: Bietet klassischen Fan-Service im Stil der ersten Alben. Besonderes Highlight: Gitarrist Daniel Kessler übernimmt hier erstmals eine Strophe am Gesangsmikrofon.
„Iron City“: Verknüpft unterkühlte Elektronik mit einem mysteriösen Glockenspiel.
„Wings Of Fire“ & „Bird And The Serpent“: Liefern den gewohnten Indie-Goth-Sound mit treibenden Drums von Sam Fogarino.
„So Rides The Reindeer“: Eröffnet die zweite Albumhälfte mit Anleihen an die IDM-Klänge von Aphex Twin.
„Wake Up“: Spielt überraschend beschwingt mit Elementen der Madchester-Rave-Ära.
Auch personell stellen sich die New Yorker neu auf: Die langjährigen Live-Musiker Brandon Curtis und Brad Truax gehören nun offiziell zum festen Band-Line-up.
Fazit
THIS MIRROR WEIGHS A TON zeigt eine Band, die ihre charakteristische Melancholie nicht verliert, aber mutig genug ist, neue Klangräume zu betreten. Ein unerwartet warmer und vielschichtiger Triumph für Interpol.
Tracklist: Interpol – THIS MIRROR WEIGHS A TON
This Mirror Weighs a Ton (5:12)
See Out Loud (4:56)
Iron City (4:10)
Wounded Soldier (4:11)
Wings On Fire (4:15)
Ever the Actor (4:53)
So Rides the Reindeer (4:16)
Darling Thoughts (3:23)
Wake Up (4:05)
Enemy (4:37)
Bird and The Serpent (5:48)
Sudden (3:41)