Drei Tage Gitarren, Staub und pure Festivalmagie: Das Shaky Knees Festival hat Atlanta auch 2026 wieder für ein Wochenende zum Epizentrum für Indie-, Rock- und Hip-Hop-Fans gemacht. Nachdem der Samstag aufgrund heftiger Unwetter und Regengüsse stellenweise sprichwörtlich ins Wasser fiel, stiegen wir am finalen Sonntag mitten ins Geschehen ein – und erlebten einen Abschluss, der wettertechnisch wie musikalisch kaum intensiver hätte sein können.
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Atlanta hat am dritten Festivaltag nämlich die volle Südstaaten-Keule ausgepackt: brütende Hitze, keine einzige Wolke am Himmel und gefühlt 100 Prozent Luftfeuchtigkeit.
Den Anfang machten OK Go, die bei mir sofort Erinnerungen an die große Indie-Hochzeit der frühen 2000er wachgerufen haben. Auch ohne die genialen visuellen Spielereien, für die ihre Musikvideos berühmt geworden sind, lieferten sie eine äußerst kraftvolle Show ab, genau der richtige Start für den frühen Nachmittag.
Die größte Überraschung des Tages war für mich allerdings Santigold. Die unglaublich charismatische Santi White verbindet Indie-Pop, New Wave, Hip-Hop, Punk, Reggae und Elektronik zu einem Sound, der eigentlich komplett zeitlos wirkt. Obwohl ich nie wirklich ein ganzes Album von ihr gehört habe, war es erstaunlich, wie viele Songs man sofort wiedererkennt. Ein Hoch auf den guten alten FM4-Zeiten! Für mich ganz klar die heimliche Gewinnerin des Tages.
Beim Wu-Tang Clan zeigte sich einmal mehr, welchen Legendenstatus die New Yorker bis heute genießen. Musikalisch war das alles souverän präsentiert, mit druckvollem Sound und viel Routine. Persönlich blieb bei mir aber weniger hängen als bei den vorherigen Acts, was wohl mehr mit meinem Musikgeschmack als mit der Qualität des Auftritts zu tun hatte. Die Reaktionen des Publikums ließen jedenfalls keinen Zweifel daran, warum Wu-Tang auch 2026 noch so viele Menschen begeistert.
Danach standen LCD Soundsystem auf dem Programm und lieferten für mich eines der absoluten Highlights des Tages ab. James Murphy und seine Band zeigen seit Jahren, wie Dance-Punk und Indie-Electronic klingen sollen. Hypnotische Grooves, treibende Beats und punktgenau abgestimmte Visuals machten den Auftritt zu einem der stärksten des gesamten Wochenendes. Kaum eine andere Band schafft es so mühelos, Festivalpublikum und Clubstimmung gleichzeitig zu bedienen.
Zum Abschluss warteten schließlich die Gorillaz, die wohl bekannteste virtuelle Band der Welt, angeführt von Britpop-Ikone Damon Albarn. Sein Bühnenoutfit wirkte bewusst rau und militärisch inspiriert, und auch dasMikrofon erinnerte optisch und klanglich eher an ein altes Funkgerät als an klassische Festivaltechnik. Die Setlist der aktuellen Mountain Tour spannte dann einen weiten Bogen über mehr als 20 Jahre Bandgeschichte. Wuchtige Rap-Tracks, melancholische Pop-Hymnen und die eine oder andere schräge Wendung griffen ineinander, sodass man stellenweise wirklich das Gefühl hatte, gleich mehrere Konzerte an einem Abend zu erleben. Dazu kamen Jamie Hewletts Animationen, die wie gewohnt punktgenau mit der Musik zusammenspielten und die Welt von 2-D, Murdoc, Noodle und Russel auf den Leinwänden eindrucksvoll zum Leben erweckten.